Das Land und seine Bedeutung

Rabensteyn ist eine Festung in den Ausläufern des Felsengebirges im Süden Uthangs, hoch über den Marschen des Kanolya-Flusses, der von Alters her die Grenze zwischen den Satrapien Uthang und Makkak darstellt – eine Grenze, um die einst hart gefochten wurde. Denn die Wehranlagen östlich des Kanolya waren es, die im Jahr 2370 den Vormarsch von Yarogs Heer auf dem Weg nach Tordok-Dur fast gestoppt hätten. Über ein Jahr wurde hier in verbitterten Grabenkämpfen gefochten – viel Blut von Mensch und Ork ist in jener Zeit in den Fluss gespült worden und die Alten sagen, es war in jenen Tagen, als sich Tawash, am Unterlauf des Kanolya, dem Herrn des Wahnsinns verschrieb.

Das südliche Uthang westlich des Kanolya ist ein raues Grenzgebiet – vergessen von den Heeren Tordok-Durs und fernab der Ränke, die in Kyrkanlyr geschmiedet werden. Auch der Einfluss der Satrapen Uthangs reicht hier nicht weit. Der größte Teil der Lande um Burg Rabensteyn besteht daher aus unberührter Wildnis, in der die wenigen menschlichen Ansiedlungen sich hinter Mauern und Dornenhecken ducken – denn draußen, jenseits der Tore, lauert das Böse. Die Sümpfe gehören den Goblins, in den Bergen lauern Mantikore und Harpyien und weiter südlich, im Alten Wald, schlummern auch schlimmere Bedrohungen, die zu alt sind, als dass die Menschen in den Siedlungen zwischen Bergen und Kanolya-Fluss sie noch beim Namen nennen könnten.

Die Machtverhältnisse in diesem wilden Landstrich sind gänzlich ungeklärt. Burg Rabensteyn ist die einzige größere Festung im Umkreis von 200 Meilen – und Burgherr Raban beansprucht dementsprechend ein weites Gebiet als seine Domäne. Auch sieht er sich legitimiert, als Lehensmann der Satrapie Uthang zu herrschen – ein Umstand, den er durch den Titel „Handelsmagnat des südlichen Uthang“ zu unterstreichen sucht. Doch ist er weit entfernt davon, mit dem Haufen Söldnern, den er seine „Armee“ nennt, das beanspruchte Gebiet wirklich sichern zu können. So bleiben die Menschen in den Dörfern zwischen Bergen und Sumpf weitgehend sich selbst und den Bedrohungen des sie umgebenden Landes überlassen.  Auch die Satrapen im fernen Ontin scheren sich wenig um den äußersten Südosten ihrer Satrapie  und der Name Raban von Rabensteyn dürfte in der Hauptstadt kaum jemandem bekannt sein. Nur einmal in 5 Jahren erlangt jener Flecken eine gewisse überregionale Bedeutung – wenn der Giftmarkt stattfindet.

Der Giftmarkt

Denn in den Marschen am Unterlauf des Kanolya-Flusses lässt sich eine Vielzahl giftiger und berauschender Kräuter und Pilze sammeln. So war es seit jeher das Geschäft derer von Rabensteyn, diese Gewächse zu sammeln und zu potenten Giften und Drogen weiterzuverarbeiten. Der Giftmarkt zu Rabensteyn, der traditionell auf einem Hain am Rande des Sumpfes abgehalten wird,  gilt mithin als bedeutendster Umschlagplatz für entsprechende Güter im westlichen Torosh und nicht nur die Einkäufer Tordok’Durs sowie der dämonischen Häuser werden hier fündig. Auch die bedeutendsten Handelshäuser aus Makkak-Stadt sind regelmäßig mit ihren Agenten vertreten und streiten um die günstigsten Lieferbedingungen für erlesene Drogen und tödliche Gifte. Doch nicht nur die Stoffe selbst sind es, die Händler und Aufkäufer locken. Auch und gerade die kostbaren Informationen über lohnende Erntegründe – und vor allem: sichere Wege, diese zu erreichen! – stehen auf dem Giftmarkt zum Verkauf.

Denn noch immer ist es ein riskantes Geschäft, sich in die Kanolya-Sümpfe zu wagen. Der Boden ist trügerisch und die Ausdünstungen der Giftpflanzen wabern bedrohlich über dem toten Land. Nur erfahrene Sumpfläufer wissen, wo die besten Kräuter und Pilze gedeihen – und nur sie finden auch einen gangbaren Weg dorthin. Zwar wissen auch die im Sumpf ansässigen Goblin-Stämme Bescheid. Allerdings ist diesen nicht zu trauen: sie betrachten den Sumpf als ihr Eigentum. Und mehr als ein Kräuterhändler, der den teuren Lohn der menschlichen Sumpfläufer sparen wollte, kehrte von einer Expedition mit den Goblins nie mehr zurück.

Der Sumpfkönig

Doch das Risiko, das heutige Kräuter- und Pilzsammler tragen, ist keineswegs vergleichbar mit den Gefahren, die die legendären Sumpfläufer früherer Tage auf sich genommen haben – als noch Ras’Kanol, der Sumpfkönig, über jenes Gebiet herrschte. Der Sumpfkönig ist eine dunkle Entität, die eine Verkörperung der Essenz des Landes selbst darzustellen scheint und über die untoten Körper all jener gebietet, die in den Sümpfen zu Tode gekommen sind. Noch vor zwei Generationen lauerte er den Wagemutigen auf, die durch die Sümpfe gingen – und seine Armee wurde mit jeder Erntezeit größer…

Und so war es über lange Jahre hinweg das wichtigste Ziel der Rabensteyns, jene Gefahr zu bannen, die den Ertrag der Sumpfläufer empfindlich schmälerte. Schließlich gelang es vor 55 Jahren Ravik von Rabenstein, einem Schwarzmagier, der damals über die Burg herrschte, in einem aufwendigen Ritual den Sumpfkönig in ein extradimensionales Gefängnis zu sperren und so seine Macht zu brechen. Seitdem ist die Zahl der Sumpfläufer, die eine Gifternte überleben, sprunghaft angestiegen – und die Geschäfte der Familie Rabensteyn florieren.

Religion und dämonische Einflüsse

So fragil wie die weltliche Macht, so vielfältig sind die Einflüsse von Kulten und dämonischen Häusern. Während das Haus des Verfalls die Satrapie Uthang zu ihrer Domäne zählt, versuchen auch die Anhänger Utakurs aus dem nahen Tawash ihren Einfluss flussaufwärts auszudehnen. Der einzige echte Tempel des Gebiets ist jedoch Yesubion geweiht. Die Drachenzecke wird hier jedoch nicht in erster Linie als Herrscherin des Hauses der Kriechtiere verehrt, sondern in ihrem Aspekt als Herrin der Träume.

Der etwas abseits des Flusses, in den Ausläufern des Alten Waldes gelegene Tempel ist eine der wenigen Traumakademien, in der Yesubion durch die Hingabe an nächtliche Traumbilder gehuldigt wird – und man sagt, die Priesterinnen und wenigen Priester jenes Tempels verfügen noch immer über die alte Gabe des Traumwandelns. Die hiesige Traumakademie hat in interessierten Kreisen seit dem vergangenen Herbst einiges an Berühmtheit erlangt – hatte doch eine der Priesterinnen einen Traum ins Gasthaus „Heldenrast“ gerufen, den alle Besucher der Schenke miterleben durften: eine Machtdemonstration, wie sie der Traumaspekt Yesubions schon lange nicht mehr gezeigt hatte und die auch an entfernten Kultstätten der dämonischen Häuser Aufmerksamkeit erregt hat.