Der Giftmarkt ist kein Markt mit Ständen und Produkten, sondern vielmehr eine Warenbörse, an der Großhändler und Giftaufkäufer zusammenkommen und innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden langfristige Kontrakte über Rohstofflieferungen aushandeln. Er findet auf dem „Hain am Opferkreuz“ statt, einer Wiese unmittelbar am Rande des Sumpfs an der Handelsstraße zwischen Uthang und Tawash. Dort werden Buden und Zelte errichtet, um den Handelsgesandtschaften und dem sonstigen Volk, das sich einfindet, einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu verschaffen.

Ein Großteil des Markthandels erfolgt am Samstag, während der Freitag Abend traditionell zum Austausch der wichtigsten Neuigkeiten dient. Am Samstag Abend nach Ende des Handels wird dann ein Fest gefeiert. Dieses Fest soll in diesem Jahr größer als gewöhnlich ausfallen, da der 55. Jahrestag des Sieges über Ras’Kanol, den Sumpfkönig, gefeiert wird.

Ablauf des Markthandels

Der Handel selbst geschieht unter der Aufsicht des vom Burgherrn Raban eingesetzten Marktverwesers. Alle Handelsgesandtschaften und Verkäufer müssen sich bei diesem registrieren und Transaktionen bei ihm beglaubigen lassen. Dabei läuft der gesamte Markthandel mit einem Buchgeld, den sog. „Toxikant“ ab, die die Handelsgesandtschaften zuvor durch eine Einlage in Aracul erwerben. So wird verhindert, dass sich am Marktwochenende allzu große Mengen Bargeld im Umlauf befinden und die Zahl an Banditen rund um das Marktgelände auf ein erträgliches Maß begrenzt. Auch die Rohstofflieferungen selbst werden gar nicht auf das Marktgelände gebracht, sondern in sicheren Lagern verwahrt und wechseln ihren Besitzer erst nach Abschluss des Marktes anhand der abgeschlossenen Kontrakte. Der Handelswert der auf dem Markt feil gebotenen Rohstoffe wird vom Marktverweser am Abend der Markteröffnung erstmals bekannt gegeben. Zu festgelegten Zeiten im Lauf des Samstages werden dann, basierend auf den getätigten Transaktionen, neue Preise ermittelt und veröffentlicht.

Natürlich ist der Giftmarkt jenseits des eigentlichen Börsenhandels auch ein Umschlagplatz für kleinere Mengen der gehandelten Gifte und Drogen, für Informationen und eigentlich für alles, was sonst noch von wert ist im Grenzgebiet zwischen Uthang, Tawash und dem Alten Wald. Es werden Köstlichkeiten und kühle Getränke angeboten, Barden und Gaukler treten auf und auch Huren und Lustknaben gehen ihren Geschäften nach.

Der „Toxische Monopolist zu Rabensteyn“

Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Abschluss des Giftmarkts ist die Ernennung des „Toxischen Monopolisten zu Rabensteyn“ durch den Burgherrn höchstselbst. Mit diesem Ehrentitel wird für die folgenden fünf Jahre derjenige Handelsgesandte gewürdigt, der sich im Markthandel am meisten hervorgetan und es verstanden hat, den Wert des eigenen Portfolios am meisten zu steigern. Wertvolle Privilegien im Rabensteynschen Herrschaftsgebiet sind damit verknüpft, als da wären

  1. Der T.M. ist berechtigt, im Rabensteynschen Land den Weißen Aragazling im Wappen zu tragen.
  2. Er ist zu grüßen mit den Worten „Exzellenz der Westlichen Marschen“.
  3. Bewohner Rabensteyns sind aufgefordert, ihm Kost und Logis anzubieten, wobei für den T.M. und ein Mitglied seines Gefolges ein Bett zur Verfügung zu stellen ist, während das restliche Gefolge in einer trockenen Scheune oder einem sauberen Stall unterzubringen ist.
  4. Dem T.M. sind auf Aufforderung durch diesen selbst Kontrakte über die Lieferung von Rohstoffen aus den Rabensteynschen Sümpfen vorzulegen.
  5. Der T.M. vertritt den Burgherrn in allen Geschäften, wenn dieser für längere Zeit abwesend ist und kein anderer Vertreter bestellt wurde.
  6. In Schenken und Gaststätten des Rabensteynschen Lands ist der T.M. stets als erster zu bedienen, sofern nicht der Burgherr selbst, sein Hofmagus, der Marktverweser oder der Oberkommandierende der Schwarzen Klingen anwesend sind.
  7. Der T.M. ist berechtigt, in Angelegenheiten des Handelsrechts – hier sind insbesondere zu nennen: der Lieferverzug, der Zahlungsverzug sowie Anwürfe bezüglich der Qualität gelieferter Ware – im Namen des Burgherrn Recht zu sprechen und das Rabensteynsche Landrecht durchzusetzen.
  8. Der T.M. ist berechtigt, hierfür bis zu zwei Streiter der Schwarzen Klingen zu Diensten zu nehmen, sofern deren Kommandierende vor Ort diese entbehren können.

Verschiedene Handelsgesandtschaften haben sich für den Giftmarkt angekündigt und werden versuchen, lukrative Geschäfte abzuschließen und damit den begehrten Ehrentitel zu erringen.